Buchprojekt: Über die Grenzen träumen

lesen Sie auf dieser Seite das Vorwort zu meinem neuen Buch:                          " Über die Grenzen träumen "


                        und die Inhaltsangabe


Über die Grenzen träumen

-Die Suche nach einem guten Leben-

Modell einer anderen Welt

 

Warum dieses Buch?


Es begann in einer Nacht nach der Stille der Pandemie. In einem Traum sah ich mich selbst durch ein endloses Bürogebäude rennen, auf der Suche nach Akte 7 – jenem geheimen Bündel Wahrheit, das die Politiker und Konzerne unter Verschluss zu halten schienen. Als ich es endlich fand, schwer von verborgenen Geschichten, verlor ich jeden Ausgang: Türen verriegelt, Flure endeten in Wänden, und mein Herz schlug wie ein Tier im Käfig. Schweißnass erwachte ich – und wusste: Ich werde diese Akte neu schreiben.

Seit dieser Zeit schrieb ich an diesem Buch, sichtete frühere Artikel von mir und bereitete sie auf.

In dieser Zeit war ich viel mit meiner Kamera unterwegs und mit ihr in der Hand ging ich auf die Menschen zu, die mir begegneten, fragte sie nach ihrem Leben und ihren Träumen.

Ich streifte durchs Land, suchte Menschen, ihre Geschichten, ihre Träume, wie ein stiller Beobachter auf einem Außenposten. Von dort aus sah ich eine Welt, in der man bis heute den Menschen sagt, welche Richtung die richtige sei – Dabei scheint es gar nicht notwendig zu sein, eine übereinstimmende innere Haltung dazu zu haben. Die äußere Haltung genügt, und die Masken glänzen wie eh hell im Licht der Talkshows, wo Berufspolitiker mit eingeübter Rhetorik erklären:
„…ich verstehe Sie, Sie müssen aber sehen, dass…“. Sätze wie Alibi­gesten, und im Hintergrund werden andere Gesetze geschmiedet – Enger für die Menschen, weicher für die Konzerne. Sie sagen nach wie vor, was die Leute hören wollen. Sie verhalten sich wie immer rhetorisch elegant und am Ende machen diese Politiker genau das Gegenteil von dem, für was sie sich ausgesprochen haben.

Mit meinem T5 mit Dachzelt fuhr ich durchs Land, spürte mein nervöses Herz bei jeder Nachricht, bei jeder Bühne der Macht.
Als Teil dieses Ganzen, hinterlasse ich Spuren, kann nicht unschuldig bleiben. Während ich schrieb, sah ich meine Bienen sterben, vergiftet von Glyphosatstoffen, von denen es hieß, sie seien jetzt endlich verboten worden und doch zurückkehrten unter einem neuen, harmlos klingenden Namen. Was kann ich tun in diesem Netz aus Macht, Konzernen, Lobby?

Ich meide immer noch die Sieger. Die Masse tut mir nicht gut.
Von meinem jetzigen Außenposten aus drehe ich die Lautstärke der Welt herunter: weniger Nachrichten. Als Körpertherapeut weiß ich, mein gesunder, angeborener Angstmechanismus wird sonst ständig befeuert, überreizt und verliert die Balance zum Äquivalent Risiken einzugehen und etwas zu wagen. Zuviel Angst hindert mich ein genussvolles Leben zu leben. Zu viel davon macht das Leben eng. Wie die Politik mit Angst arbeitet,
erzähle ich später.

Ich wundere mich nicht mehr über „Unregelmäßigkeiten“ von Politiker*INNEN, die vorher laut von Moral sprachen.  Ich finde meine eigenen, stillen Wege durch dieses Dickicht der Interessen. Ich erwarte keine Entschuldigungen mehr, wenn man Menschen wie mich Clowns nennt, Phantasten oder Covidioten – alles Worte, die trennen sollen und die spalten. Ich erwarte nicht mehr, dass mein Engagement als Teil eines politischen Interesses umgedeutet und so meine Person instrumentalisiert wird, wenn ich für den Frieden auf die Straße gehe. Die Politik kennt keine Aufrichtigkeit; sie kennt Machterhalt, Stärke und Geld.

Mein Tun ändert nicht die Welt. Auch nicht mit diesem Buch. Schon als Kind wanderte ich auf Nebenwegen, jene schmalen Pfade, auf denen Schleiereulen wohnten. Ihre großen, drehbaren Augen sahen damals ein traumatisiertes Zuhause und einen Krieg, der Generationen später immer noch in den Menschen weiterlebte, meiner Großmutter, meinen Eltern und der mir weitergegeben wurde. Heute sehen diese Augen ein anderes Land, anders zerstört. Und mich mittendrin.

Diese Eulen sehen heute Konzerne, die aus Menschen bestehen wie du und ich, und die immer mehr in Besitz nehmen, Land besetzen, Götter töten und Landschaften roden, es pflastern oder mit genmanipulierten Pflanzen bebauen. Sie sehen Menschen, die von Wildnis sprechen, während im Hintergrund der Wolf zum Abschuss steht. Sie schauen auf diese Menschen, die sich vor Bienen und Wespen und anderem Kleingetier fürchten und die den Zusammenhang zwischen Mandelschokolade und der Biene nicht kennen. Sie fahren mit Stolz ihr „nachhaltiges“ Elektroauto und sehen nicht die Wunden der Bevölkerung Boliviens, der Meere und Ozeane, wo seltene Erden im großen Stil aus den Tiefen gerissen werden. Viele spenden und delegieren das eigene Tun an Organisationen – und glauben sich erleichtert.

Auf meinem Außenposten suche ich nach Wegen hinaus aus dem, was man Realität nennt. Ich suche Heilung – für mich, für uns, für diese Zeit. Ich suche Menschen, die sich ihre Unvollkommenheit eingestehen können, ihre Schwäche, ihre Unsicherheit. Ich suche einen Weg aus Trennung, Gewalt und Ausbeutung.


Genesung aber folgt eigenen Gesetzen: Sie entwickelt sich organisch, pendelt zwischen Schmerz und Werden, braucht Zeit und Stille und das Vertrauen, dass Scheitern dazugehört. Erste Symptome wollen gehört, nicht weggedrückt werden.

Ich habe kein fertiges Konzept für die Umgestaltung zu einer besseren Welt, doch weiß ich um Rahmenbedingungen und Zusammenhänge, wie Veränderungen im Sinne einer Genesung geschehen können, um zu gesunden und zu langfristigen Veränderungen werden zu können, und die so gestärkt eher Krisen standhalten. In meinen Artikeln wird die Rede davon sein.

Wenn ich mit meiner Kamera am Fluss sitze und die Kormorane beim Trocknen ihrer Flügel beobachte, dann denke ich, den Menschen fehlt Spiritualität. Ich meine nicht eine abgehobene Vorstellung von Spiritualität, das Aufstellen von Engeln und das Schweben über der Erde. Für mich ist Spiritualität ziemlich leise und findet vor allem im Fühlen statt, in der Verbundenheit mit der Natur und den Tieren. Ich bin mit ihnen dankbar verbunden, ohne sie gäbe es mich nicht. Mit diesem verbundenen Gefühl kann ich Natur und Tiere nicht mehr als Ding betrachten und wie mit einem Ding umgehen.


Und wenn ich so unterwegs bin und auf Menschen treffe und mit ihnen ins Gespräch komme, spüre ich meine Neugierde auf diese Menschen. Es sind „einfache“ Menschen. Für mich machen sie die Welt aus; niemand erzählt von ihnen. Es ist der Schäfer meines Dorfes, in dem ich wohne, der Zimmermann, der meinen Speicher abgedichtet hat oder Menschen, denen ich auf Demonstrationen, Gremien, Festen und Feiern begegnet bin. So war ich als Delegierter zum ERSTEN PARLARMENT DER MENSCHEN in Berlin eingeladen. Ich traf Menschen, die auf LARP´s neue Identitäten probten und Menschen auf Campingplätzen, die dort fest leben, so auch auf einen Mann, der mit seinem Wohnmobil und seiner dementen Ehefrau immer an den gleichen Ort fährt und so aus dem Schicksal versucht das Beste zu machen.


Auf diesem Unterwegs-Sein traf ich auch auf Menschen, die sich nur in ihrer Wut entrüsteten. Sie schienen mir eher in Aufrüstung zu sein. Aufgerüstet in Wut und Verzweiflung, im Geiste der Weltverbesserung, im Zustand der Selbstausbeutung, im Gefühl des Scheiterns und der Ohnmacht, nicht in sich verankert, sondern außer sich vor Empörung. Im Kontakt mit ihnen ging ich in Distanz. Ich verstehe ihre Verzweiflung, das Gefühl der Ohnmacht und auch ihre Lähmung oder Wut. aber nicht in sich verankert. Dort fand meine Suche keinen Boden; ihr Trauma war zu tief.

Für dieses Buch fand ich andere: Menschen, die weiter fragen, die nicht aufgehört haben zu denken, die schöpferisch an sich wachsen. Ich stellte sie mit ihren Geschichten in den Kontext dieser Zeit, der Machtströme, wie über sie verfügt wird und dieser Geldflüsse, die sich in Milliardensummen bewegen, abstrakte Summen, während ihr Konto durch Energie- und Lebensmittelkosten immer kleiner wird. Manchmal ließ ich nur Gesichter in meine Bildern sprechen. Es sind „einfache“ Menschen – und gerade deshalb besondere. Sie suchen. Oder sie haben gefunden.


In diesem Reisebericht erzähle ich von der Möglichkeit einer anderen Welt. Sie ist komplex, unübersichtlich,
fordert Geduld, gibt keine Garantien – und doch existiert sie.
Andere Philosophen, Wissenschaftlerinnen, Älteste und Weise schreiben oder reden ebenfalls über sie. Doch solche Menschen werden eher selektiv gehört. Wie ich sicher auch. Doch ich muss schreiben. Jeder Baum, jeder Käfer, jede Biene fordert es von mir. Sie sprechen zu mir und ich muss ihnen eine Stimme geben.

Zwischen den Geschichten und Exkursen lasse ich Bilder sprechen, Bilder aus meiner Reihe der METAMORPHOSEN in Anspielung ihres Geflechts aus Wechselwirkungen, Rückkoppelungsprozessen und Emergenz, von denen ich schrieb und sie in diesen Bildern auf sinnliche Weise zeige. Diese Bilder zeigen meine Wahrnehmung der Natur und wollen die Komplexität auf eine andere Art als der der intellektuellen Verstehensweise zeigen.

Die Reihe der ZENfotografien können beim Betrachten kleine Pausenräume sein, die einladen zum Sich-Sammeln, zum Versinken, dass etwas in Ihnen aufleuchtet – ein Ton, ein Bild, ein Gefühl. Ich wünsche mir, dass ich in Ihren Köpfen etwas zum Leuchten bringe und in der Tiefe Ihres Herzens ein Berührt-Sein anrege.

Ich tu das mit den Mitteln der Kunst. Die Kunst sollte nichts verschweigen. 



Inhaltsangabe

Warum dieses Buch

 

1.   Teil        Bestandsaufnahme

In unserer Demokratie stimmt etwas nicht

-      Die Klimadiskussion

-      Unser Gehirn funktioniert auf der Grundlage von Belohnung

-      Das Gehirn regelt das soziale Leben

-      Die Illusion vom Wirtschaftswachstum

-      Wachstum bedeutet Beschleunigung

-      In Beziehung denken ist die radikale Grundlösung

-      Die Welt entstand durch den Prozess der Koevolution

-      Emergenz und Selbstorganisation

-      Die Perfektion gibt es in der Natur nicht

-      Die Welt in Rückkoppelungsprozessen

 

Macht – wie funktioniert sie?

 

2.   Teil          Anders Leben – anders Denken

Selbstwirksamkeit – Commoning

-      Mehr am Guten interessiert sein als am Schlimmen

-      Vom Gemeinschaffen

-      Es ist genug da – Zusammen wachsen

-      Bescheidenheit beim Weltverbessern

 

Natur - Spiegel für den Menschen

 

Warum handeln Menschen „böse“?

 

Der Verlust von Mitgefühl

 

Der Ackerbau und das Entstehen der Ungleichheit

 

In Verbindung sein zur lebendigen Natur

 

Frieden

 

Resonanz zur lebendigen Natur

-      Die Psyche als Teil der Natur

-      Kein Mensch kann ohne die anderen sein

-      Menschlichkeit

-      Entwachstum ist angesagt

-      Dissidenten für Veränderung

-      Es gibt jetzt schon eine andere Welt

-      Grundausrüstung für den langen Atem

-      Als Widerstand, in Beziehung und Vernetzung denken

-      Die Kunst – Begleiter des Dissidenten

 

Beuys’sche Kunst im Licht heutiger ökologischer Krisen

 

Für dein weiteres Studium: S. Helfrich und D. Bollier

 

 

Links und Hinweise

Wörterbuch

Literatur